Algen Workshop – ein Rückblick

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Beim Algen-Workshop in der Alten Schmiede in Ottensen trafen sich gestern Caterer:innen, Gastronom:innen und Interessierte, um Algen als zukunftsfähige Lebensmittelzutat praktisch kennenzulernen. Zwischen Fachvorträgen, gemeinsamen Kochen, Verkostungen und Diskussionen wurde deutlich: Algen sind viel mehr als ein Nischenprodukt und bieten enormes Potenzial für eine nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung.

Impulse aus den Vorträgen: – Markt, Meere und Verantwortung

Den Einstieg bildete der Vortrag von Martin Loss, der Algen als „Gemüse aus dem Meer“ vorstellte – einen innovativen Rohstoff für die Außer-Haus-Gastronomie mit vielfältigen kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten. Er zeigte auf, wie Algen nährstoffreich, nachhaltig und sicher eingesetzt werden können, wodurch sich neue Spielräume für kreative, zeitgemäße Küchenkonzepte eröffnen. Seine Botschaft: Das Potenzial ist da – nun braucht es eine wachsende Nachfrage, damit Algenprodukte sinnvoll in Europa aufgebaut und weiterentwickelt werden können. Sein praktischer Rat an alle Anwesenden: Rechtssicher gekennzeichnete Algenprodukte sind von Fachhändlern verfügbar und können sicher in in der Gastronomie eingesetzt werden.

Ein weiterer Höhepunkt war der Beitrag von Julia vom Verein „Essen mit Zukunft“, die die Überfischung der Meere und die Rolle von Fischalternativen thematisierte. Viele Teilnehmende beschrieben den Vortrag als echten Augenöffner. Auch zertifizierter Fisch ist nicht automatisch „klimafreundlich“ und Alternativen wie Algen können helfen, den Druck auf die Ozeane zu reduzieren und die Nahrungssicherheit im globalen Süden zu verbessern.

Algen, Jod, Omega 3 und Gesundheit – Chance und Herausforderung

Im Workshop wurde klar, dass viele Menschen in Deutschland nicht optimal mit Jod versorgt sind und eher zu wenig aufnehmen. Algen können hier einen Beitrag leisten, da einige Arten von Natur aus Jod enthalten. Gleichzeitig macht genau das eine sorgfältige Dosierung in der Gemeinschaftsverpflegung so wichtig. Für die Praxis interessant war der Hinweis, Algen mit anderen Produkten wie Hülsenfrüchten zu kombinieren, etwa in Eintöpfen, Aufstrichen oder Bratlingen. So lassen sich Protein, Ballaststoffe und Mikronährstoffe klug verbinden und Gerichte entwickeln, die sowohl ernährungsphysiologisch als auch kulinarisch überzeugen. Gut zu wissen ist auch, dass bestimmte Algen-Arten eine pflanzliche Omega-3-Quelle sind.

Stimmen aus der Praxis: Was Caterer und Gastronomen mitnehmen

Die Rückmeldungen am Ende der Veranstaltung waren vielfältig und positiv. Einige Teilnehmende berichteten, dass bestimmte Produkte – etwa „Meerespasta“ – für Kinder zunächst eine Hürde darstellen könnten, nach dem Motto: „Kenn ich nicht, ess ich nicht.“ Martin hat da übrigens von anderen Erfahrungen berichtet: Die Neugier der Kinder, wenn sie über Algen erfahren, macht sie offen dafür, sie auszuprobieren. Gleichzeitig wurde betont, dass der Workshop die Hemmschwelle für die Anwesenden deutlich gesenkt hat, Algen auszuprobieren und in Speisepläne zu integrieren. Sehr positiv hervorgehoben wurde, dass Algen eine spannende Umami-Komponente liefern und deklarationsfrei eingesetzt werden können. Immer wieder fiel auch das Urteil: „Erstaunlich, wie toll das Essen mit den Algen war – richtig lecker!“
Auch der wirtschaftliche Aspekt spielte eine Rolle: Viele interessierten sich für die Preise. Wie rechnet sich das Kochen mit Algen? Martin betont, dass getrocknete Algen zunächst teurer wirken, da sie aufgrund der Trockenmasse mit einem Faktor von etwa 6 bis 9 im Vergleich zu frischen Produkten zu Buche schlagen. In der Küche relativiert sich das jedoch, da Algen in eingeweichter Form eingesetzt werden und somit selten zu Problemen beim Wareneinsatz führen.

Lernerfahrungen und Ausblick

Die Teilnehmenden lobten die offene, wertschätzende Atmosphäre – viele fühlten sich „super spannend abgeholt“ und zugleich persönlich wohl. Besonders geschätzt wurde, dass während des Kochens unterschiedliche Perspektiven zusammenkamen: ernährungswissenschaftliche Einschätzungen, praktische Erfahrungen aus Großküchen und die Sicht von Initiativen wie „Essen mit Zukunft“ e. V. So entstand ein lebendiger Austausch, der Wissen, Praxis und Wertfragen miteinander verknüpfte. 
Auch die Vorfreude auf die Handouts und Unterlagen wurde betont, um das Gelernte nachzulesen und in der eigenen Küche konkret zu erproben. Für viele war klar: Der Workshop war ein Startpunkt, kein Abschluss – jetzt geht es darum, mit Rezepten zu experimentieren, Dosierungen zu testen und eigene Algen-Gerichte zu entwickeln.

Zum Schluss gab Martin den Anstoß, den wachsenden Algenmarkt aktiv mitzugestalten, statt passiv abzuwarten. Nur wenn Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und Produzent:innen gemeinsam auf transparente Kennzeichnung – gerade beim Jodgehalt – achten, kann sich ein verantwortungsvoller, europäischer Markt für Algenprodukte entwickeln. Tina erinnerte dabei augenzwinkernd daran, nicht in die „Konvenienz-Falle“ zu tappen. Algen sollten nicht bloß als weiteres Convenience-Produkt genutzt werden, sondern bewusst, handwerklich und mit dem sprichwörtlichen „Messer in der Hand” in die Küche integriert werden.

Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

  • Martin Loss von der Algenladen GmbH für seine Inputs und Algen-Erfahrungen und für die Bereitstellung der Produkte,
  • Steffen Burkhardt für die Vorbereitung und Leitung des Kochworkshops,
  • Tina Zurek und Katharine Krause von Ökomarkt für die Organisation,
  • Julia Sievers von Essen mit Zukunft für den Input über die Überfischung der Meere.

Die Veranstaltung ist eine Initiative von Ökomarkt e. V., Essen mit Zukunft e. V. und Ernährungsrat Metropolregion Hamburg e. V. und wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) durchgeführt.