Pressemitteilung von Ernährungsrat und Agrar Koordination
Hamburg, 23. September 2025 – Während die Preise für das Hamburger Schulessen zum neuen Schuljahr weiter erhöht wurden, hat die Schulbehörde es in den vergangenen Jahren versäumt, ein gesundheitsförderliches und zukunftsfähiges Essen in allen Hamburger Schulen sicherzustellen.
„Bei dem aktuell gültigen Preis für das Schulessen wäre ein Bio-Anteil von 80-100% möglich – das belegen einige vorbildliche Cateringunternehmen aus Hamburg. Doch viele Cateringunternehmen sind nur dann bereit, ihren Bio-Anteil zu erhöhen, wenn dies explizit vom Auftraggeber verlangt wird. Es ist daher notwendig, dass die Schulbehörde höhere verbindliche Mindest-Bio-Anteile für die Hamburger Schulverpflegung vorgibt. Viele Städte in Deutschland sind bereits mit gutem Beispiel vorangegangen“, erläutert Julia Sievers, Sprecherin des Hamburger Ernährungsrats.
„Die Schulbehörde sollte mehr verlangen für das Geld, das Eltern für das Hamburger Schulessen ausgeben müssen – denn Kinder haben ein zukunftsfähiges Essen verdient. Bio-Lebensmittel bieten zahlreiche Vorteile für den Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschutz und für die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel. Schulen müssen mit gutem Beispiel vorangehen und einen Beitrag leisten zu einem Ernährungssystem, das unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützt, statt sie weiter zu zerstören“, fordert Sievers.
Der Ernährungsrat und der Hamburger Verein „Agrar Koordination“ entkräften in einer aktuellen Publikation den Irrtum, dass die Einführung von Bio-Lebensmitteln in der Schulverpflegung zu steigenden Preisen führen würde. Demnach ist eine kostenneutrale Erhöhung des Einsatzes von Bio-Lebensmitteln möglich, wenn parallel eine gesundheitsförderliche Ernährung entsprechend der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sichergestellt wird.
„Aktuell bieten Hamburger Schulen deutlich zu viel Fleisch in der Mittagsverpflegung an. Das ist klima- und gesundheitsschädlich und für die Gesellschaft mit hohen Folgekosten verbunden. Es ist keine Bevormundung, wenn die Schulbehörde in Hamburger Schulen für ein gesundheitsförderliches Essensangebot sorgt – es ist wichtiger Bestandteil ihres Bildungsauftrags“, argumentiert Sievers.
Der Ernährungsrat und die Agrar Koordination fordern, dass die Umgestaltung der Schulverpflegung durch Ernährungsbildung für Schüler*innen und ihre Eltern begleitet wird. Denn Analysen zeigen, dass viele nicht über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen eines hohen Fleischkonsums informiert sind. „Durch Bildungsarbeit kann eine hohe Akzeptanz für eine stärker pflanzenbasierte Schulverpflegung erreicht werden – das zeigen unsere Erfahrungen in mehreren Schulen“, berichtet Sievers.
Hintergrund: Zwei aktuelle Publikationen zeigen Handlungsbedarfe und Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Schulverpflegung auf:
- Wie kann die Schulverpflegung in Hamburg zukunftsfähig gestaltet werden? Agrar Koordination/Ernährungsrat Metropolregion Hamburg (September 2025)
- Essen mit Zukunft – Wie gelingt eine zukunftsfähige Kita- und Schulverpflegung? Lehren aus einem Pilotprojekt in Schleswig-Holstein Agrar Koordination (September 2025):
Kontakt: Julia Sievers, Sprecherin des Ernährungsrats und Referentin der Agrar Koordination. julia.sievers@agrarkoordination.de
