Eine Ernährungsstrategie für Hamburg

Projekt im Zeitraum 2026/2027

Ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Arbeit des Ernährungsrates ist die Entwicklung und Umsetzung der Hamburger Ernährungsstrategie; ein Prozess, den die Stadt Hamburg im Jahr 2025 startete. Der Ernährungsrat möchte sich aktiv in diesen Prozess einbringen und dazu beitragen, strategische Optionen konkret zu entwickeln, damit die Ziele der Ernährungsstrategie erreicht werden können.

Kontext

Am 29. Mai 2024 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft, eine Ernährungsstrategie unter Beteiligung der Zivilgesellschaft zu erarbeiten und diese in die Fortschreibung des Agrarpolitischen Konzepts zu integrieren. Die Erarbeitung und Umsetzung einer Ernährungsstrategie ist u.a. aus Umwelt- und Klimaschutz-, entwicklungspolitischen sowie gesundheitspräventiven Gründen notwendig, wie dem Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft zu entnehmen ist:

  • Pro Jahr entstehen in Deutschland 16,8 Milliarden Euro Gesundheitskosten durch ungesunde Ernährung.
  • Ein Drittel der globalen Treibhausgase sind unserem Landwirtschafts- und Ernährungssystem zuzurechnen.
  • 80 Prozent der Treibhausgase aus der Landwirtschaft kommen aus der Tierproduktion.
  • Zwei Drittel des weltweiten Süßwassers wird für die Landwirtschaft genutzt, 50 Prozent davon in der Tierproduktion.
  • Die Kosten, die die Landwirtschaft in Deutschland durch Schäden z.B. im Hinblick auf Klima, Biodiversitätsverlust, Luftschadstoffe, Wasserbelastungen und Bodendegradierung verursacht, belaufen sich der Zukunftskommission Landwirtschaft zufolge auf 90 Milliarden Euro jährlich.
  • Die Landwirtschaft ist durch die Klimakrise bedroht. Veränderte und immer weniger kalkulierbare Anbaubedingungen erschweren die Arbeit von Bäuer:innen weltweit. Kleinbäuer:innen produzieren teilweise für Märkte, in denen Milliarden erwirtschaftet werden (z.B. in der Kakao-Industrie), sie können aber von ihren Einnahmen häufig ihre Existenz nicht sichern.

Diese Situation ist aus Sicht einer nachhaltigen, zukunftsweisenden Ernährungs- und Nachhaltigkeitsstrategie nicht tragbar, weil die ökonomischen, ökologischen und sozialen Kosten zu hoch sind und die planetaren Grenzen massiv überschritten werden. Mit der Ernährungsstrategie hat die Stadt vor, eine Trendwende einzuleiten. Hamburg hat erkannt, dass die Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen in Richtung Klimaneutralität, Regionalität, Erhalt der Biodiversität und Zukunftsfähigkeit notwendig ist, um eine gesunde und nachhaltige Ernährung mit hochwertigen Lebensmitteln aus vorwiegend regionaler Produktion zu befördern. Gleichzeitig dürfen dabei die Produkte aus globalen Lieferketten, die nicht regional ersetzt werden könne, nicht aus den Blick geraten. Ein hoher Anteil in der Lebensmittelverarbeitung wird aus globalen Lieferketten bezogen und das wird auch trotz Stärkung von regionalen Wertschöpfungsketten nicht verhinderbar sein. Bei Produkten aus globalen Wertschöpfungsketten muss insbesondere auf die Einhaltung von Menschenrechten und faire Preise geachtet werden.

Die Stadt stellt sich in ihrer Ernährungsstrategie daher folgende Fragen: Wie können wir die Hamburger:innen überzeugen, nachhaltiger und gesünder zu essen?; Wie verbinden wir die Ernährungs- mit der Agrarwende? Wie kann Lebensmittelverschwendung in allen Wertschöpfungsstufen reduziert werden? Wie bleiben Lebensmittel auch für Menschen mit knappem Budget bezahlbar? Und wie kann das Konzept der Essbaren Stadt zur Beantwortung dieser Fragen beitragen? Welches Potenzial hat die Ernährungswende für die Wirtschaft in Hamburg und der Region? All das sind wichtige Fragen, die den Ernährungsrat beim Thema Ernährungsstrategie bewegen und für die in einem länger angelegten Prozess gemeinsam Antworten gefunden werden wollen.

Projekt-Maßnahmen

Der Ernährungsrat möchte einen Beitrag zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen leisten. Zu diesem Zweck plant er Veranstaltungen mit Akteur:innen aus der Ernährungswirtschaft und -wissenschaft, mit Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich für Lösungen in einzelnen Bereichen engagieren, sowie mit engagierten Bürger:innen und anderen Akteur:innen. In Anlehnung an die von der Hamburgischen Bürgerschaft genannten Handlungsfelder (Eckpunkte der Ernährungsstrategie) werden im Zeitraum 2026/27 zu den Themen Lebensmittelverschwendung, essbare Stadt und Ernährungswirtschaft Workshops organisiert.
Die Ergebnisse sollen in den Strategieprozess der Stadt einfließen und über soziale Medien und andere Kanäle einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Denn auch die Bürger:innen haben über ihre täglichen Konsumentscheidungen einen erheblichen Einfluss auf eine zukunftssichere Ernährung.

Wir freuen uns sehr, für die Ausarbeitung dieses Prozesses zwei Förderpartner gefunden zu haben, und danken der NUE-Stiftung und der GLS Treuhand für ihr Vertrauen.
Interessiert? Dann melde dich gerne unter post@ernaehrungsrat-hamburg.de

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